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SWBcontent

Digitale Langzeitarchivierung

Durch das rasante Veralten von Speichermedien, Dateiformaten und Präsentationssystemen ist eine dauerhafte Nutzbarkeit jedes digitalen Datenbestandes gefährdet.
Um die elektronischen Publikationen, Datenbanken und digitalen Archive, die in der Vergangenheit angelegt wurden, auch in Zukunft öffnen und lesen zu können, müssen sie bereits in der Gegenwart für die Langzeitarchivierung vorbereitet werden. Diese Aufgabe kann von Bibliotheken, Archiven, Museen und anderen Institutionen, die mit der Erhaltung des kulturellen Erbes betraut sind, nur gemeinsam angegangen werden.
Die Sammlungen müssen dazu immer wieder systematisch und unter zuverlässiger Erhaltung ihres Inhalts auf aktuelle Datenträger und in aktuelle Datenformate transferiert werden. Nur so kann verantwortlich gewährleistet werden, dass sie auf lange Zeit unter sich verändernden technischen Bedingungen verfügbar bleiben.

Langzeitarchivierung am BSZ

Diese Herausforderung betrifft insbesondere die Landesbibliotheken, zu deren Pflichten es gehört, alle Veröffentlichungen einer Region zu sammeln – dazu gehören im Zeitalter der fortschreitenden Digitalisierung auch die elektronischen Publikationen.
Die Badische Landesbibliothek Karlsruhe, die Württembergische Landesbibliothek Stuttgart und das Bibliotheksservice-Zentrum Baden-Württemberg (BSZ) trafen die Übereinkunft, gemeinsam ein Speichersystem aufzubauen, um elektronische Publikationen archivieren zu können, die – wären sie gedruckt erschienen – zum konventionellen Bibliotheksbestand gehören würden: 2003 wurde das Baden-Württembergische Online-Archiv BOA (http://www.boa-bw.de) der Öffentlichkeit vorgestellt.
2006 trat das Landesarchiv Baden-Württemberg der Kooperation bei, in der das Landesarchiv und die Landesbibliotheken für die Auswahl, Beschreibung und Übernahme der Ressourcen, das BSZ für die Entwicklung und den Betrieb der gemeinsamen Plattform verantwortlich sind.
Gleichzeitig erarbeitet das BSZ mit der Staatsgalerie Stuttgart ein Verfahren für die Übernahme und Langzeitarchivierung von Bilddateien und anderen Medienobjekte. Der erste Schritt ist der Transfer ins BSZ, die Sicherung und parallele Bereitstellung der digitalen Bilder. Damit sind diese teilweise unersetzlichen Daten räumlich getrennt gesichert und werden für die Museumsdokumentation, für das BAM-Portal und für den Vertrieb über das Internet bereitgestellt. Das Projekt wird vom Badischen Landesmuseum begleitet.

Die verschiedenen BOA-Installationen

Neben der Ursprungsinstallation im Baden-Württembergischen Online-Archiv BOA ist die Software SWBcontent mit SaarDok für die Saarländische Universitäts- und Landesbibliothek Saarbrücken und dem Publikationsserver im Informations- und Bibliotheksportal des Bundes in Betrieb.

Kooperationen im nationalen Rahmen

Grundlegender Gedanke des Bereichs Langzeitarchivierung am BSZ ist die konsequente Einbindung in die Kooperationen, die für die Langzeitarchivierung maßstabsetzend sind:
Die BOA-Teilnehmer wirken mit in verschiedenen Arbeitsgruppen des Kompetenznetzwerks Langzeitarchivierung Nestor. Dies ist die gemeinsame Plattform der wissens- und kulturtradierenden Institutionen.
Eine Zusammenarbeit ist auch mit kopal, dem Projekt zum Kooperativen Aufbau eines Langzeitarchivs digitaler Informationen der Deutschen Nationalbibliothek und der SUB Göttingen vereinbart.

Die Software SWBcontent

Die Archivsoftware SWBcontent des BSZ als rein browserbasierte Webapplikation sichert und erschließt Webseiten und digitale Medienobjekte. Bibliographische Daten aus dem Südwestdeutschen Bibliotheksverbund können in vollem Umfang in die Software geladen und automatisch aktualisiert werden. Mit Hilfe des Offline-Browsers HTTrack werden Webseiten übernommen. Einzeldokumente, z.B. im PDF-Format können einfach hochgeladen werden.
Ein Alleinstellungsmerkmal der Software bildet die ausgeprägte Eignung, hierarchische Zusammenhänge darstellen zu können – Zeitschnitte von Webseiten und Gliederungszusammenhänge elektronischer Zeitschriften können sachgerecht aufbereitet werden. Die Vergabe persistenter Identifier (URN) gehört zum Leistungsumfang ebenso wie die Bildung von Prüfsummen und die automatisierte Erhebung technischer Metadaten der archivierten Objekte.
Die Schnittstellen und Formate, die zum Beispiel im kopal-Projekt der Deutschen Nationalbibliothek und der Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen ausgerichtet an der internationalen Entwicklung erarbeitet werden, werden genau beachtet und bedient: Standards der Langzeitarchivierung werden zuverlässig erfüllt.

Speicherinfrastruktur SWBdepot

Als Rückgrat der Langzeitarchivierung baut das BSZ spezielle Hardwareinfrastruktur auf:

  • Speicherplatz wird bedarfsorientiert nach Projektfortschritt beschafft.
  • Selbstverständlich ist eine automatisierte Bandsicherung mit Lagerung der Bänder in eigenen Brandschutzzonen.
  • Die Rekonstitution der Platteninhalte aus den Bändern wird regelmäßig geprüft.

Übernahme (Ingest), Archivprozesse und Verteilung (Dissemination) werden in diesem Archiv SWBdepot nach den Grundsätzen eines Open Archival Information Systems (OAIS) gestaltet.

SWBcontent-Installationen




Das nestor-Handbuch "Eine kleine Enzyklopädie der digitalen Langzeitarchivierung" sammelt das derzeit vorhandene Wissen über das vielfältige Thema der langfristigen Verfügbarkeit und Nutzbarkeit elektronischer Ressourcen in einführenden Zusammenfassungen.

Download der PDF-Ausgabe via:
http://nestor.sub.uni-goettingen.de/handbuch/


Kontakt: Stefan Wolf

Created by Gerland
Last modified 29.03.2010 17:37

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