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Carl Maria von Weber: Der Freischütz

Romantische Oper in drei Aufzügen.

Personen:

OTTOKAR, böhmischer Fürst.
CUNO, fürstlicher Erbförster.
AGATHE, seine Tochter.
ÄNNCHEN, eine junge Verwandte.
CASPAR, 1. Jägerbursche.
MAX, 2. Jägerbursche.
KILIAN, ein reicher Bauer.
SAMIEL, der "schwarze" Jäger.
4 Brautjungfern.
Ein Eremit.
3 fürstliche Jäger, Jäger und Gefolge. Landleute und Musikanten. Erscheinungen.

Die Handlung spielt in Böhmen, kurz nach Beendigung des Dreißigjährigen Krieges.

Handlung:

I. Aufzug, Platz vor einer Waldschenke, die mit Schoben gedeckt ist; vor der Schenke ein Tisch mit Stühlen, im Hintergrund eine Vogelstange; gegen Abend: Der Jägerbursche Max versagt bei einem Preisschießen und wird von den Bauern verspottet. Die Niederlage ist um so schlimmer, als Max am nächsten Tag einen Probeschuß ablegen muss, um Agathe, die Tochter des Erbförsters Cuno, zur Frau zu erhalten. Cuno erzählt, dass; der Brauch des Probeschusses auf seinen Urgroßvater zurückgehe, dem der Fürst die Erbförsterei übergab, als es ihm glückte, einen Hirsch zu treffen, auf dem ein Wilddieb angeschmiedet war. Der verzweifelte Max wird von Caspar, dem andern Jägerburschen und abgewiesenen Bewerber um Agathes Hand, überredet, um Mitternacht in der Wolfsschlucht, einem verrufenen Ort, Freikugeln zu gießen, von denen sechs treffen, während die siebte dem "schwarzen Jäger" Samiel gehört, der sie lenkt, wie er will. (Caspar muß Samiel ein Opfer bringen, um für das eigene Leben, das verfallen ist, eine Fristverlängerung zu erwirken). Die Wirkung einer Freikugel erfährt Max, als er mit Caspars Gewehr einen kaum sichtbaren Adler trifft. Partitur

II. Aufzug, 1. Bild, Vorsaal im Forsthaus mit Seiteneingängen; Hirschgeweihe und düstere Tapeten mit Jagdstücken geben ihm ein altertümliches Aussehen und bezeichnen ein ehemaliges fürstliches Jagdschloß; in der Mitte ein mit Vorhängen versehener Ausgang, der zu einem Altan führt; auf einer Seite Ännchens Spinnrad, auf der andern ein großer Tisch, worauf ein Lämpchen brennt und ein weißes Kleid mit grünem Band liegt; Abend: Agathe ist beunruhigt, weil Max nicht kommt. Auch ist es ein schlimmes Omen, daß das Bild des Urvaters von der Wand gefallen ist. Ännchen versucht über die Mißstimmung hinwegzuscherzen, doch Agathes Bangigkeit will nicht weichen, zumal heute ein frommer Eremit sie vor einer unbekannten Gefahr gewarnt und ihr einen Strauß geweihter Rosen geschenkt hat. Endlich erscheint Max, erklärt jedoch zu Agathes Bestürzung, er müsse noch einen erlegten Hirsch aus der Wolfsschlucht holen. Das Netz unheilvoller Zeichen zieht sich immer enger zusammen: Es kommt Max zum Bewußtsein, daß das Ahnenbild gerade in dem Augenblick von der Wand fiel, als er den Adler schoß.
2. Bild, furchtbare Schlucht, größtenteils mit Schwarzholz bewachsen, von hohen Gebirgen umgeben; von einem Berg stürzt ein Wasserfall; weiter vorn ein vom Blitz zerschmetterter, verdorrter Baum, innen faul, so daß er zu glimmen scheint; auf einem knorrigen Ast eine große Eule mit feurig rädernen Augen; auf andern Bäumen Raben und andere Vögel; es ist Nacht, der Vollmond scheint bleich, zwei Gewitter sind von entgegengesetzter Richtung im Anzug: Samiel verspricht, Caspars Frist zu verlängern, wenn er Agathe oder Max als Opfer erhält. Caspar und Max gießen nach einem schaurigen Zeremoniell, in das spukende Natur eingreift, sieben Freikugeln: vier für Max, drei für Caspar. Partitur II

III. Aufzug, 1. Bild, Wald; heller sonniger Tag: Max hat, um den Fürsten und dessen Jagdgesellschaft zu beeindrucken, drei seiner Freikugeln verschossen; vergeblich bittet er Caspar, ihm weitere Kugeln zu überlassen.
2. Bild, Agathes Stübchen im Forsthaus, altertümlich, doch niedlich verziert; an einer Seite ein kleiner Hausaltar, darauf in einem Blumentopf der Strauss; weisser Rosen, von einem Sonnenstrahl beleuchtet; heller Tag: Agathe ist verängstigt durch einen Traum, im dem sie sich als Taube erschien, auf die Max schoss. Zudem ist in der vergangenen Nacht Cunos Bild erneut von der Wand gefallen. Die Brautjungfern bringen den Jungfernkranz, der sich jedoch beim Öffnen der Schachtel als Totenkrone erweist. Ännchen flicht, um die schwarze Magie durch weisse auszulöschen, aus den Rosen des Eremiten einen Kranz.
3. Bild, eine romantisch schöne Waldgegend; auf einer Seite und in der Mitte des Hintergrunds die fürstlichen Jagdzelte; sonniger Tag: Fürst Ottokar fordert von Max als Probeschuß, dass; er eine weisse Taube treffe. Als Max schiesst, fallen Agathe und Caspar wie tot zu Boden. Aber nicht Agathe, die durch die Rosen des Eremiten geschützt wurde, sondern Caspar, den Samiel holte, weil der Tausch misslang, ist tödlich getroffen. Der Fürst will Max, der sich schuldig bekennt, verbannen; doch bewegt der Eremit, der in dem inhumanen Brauch des Probeschusses die Wurzel der Fatalität erkennt, den Fürsten dazu, Max lediglich zu einem Bewährungsjahr zu verurteilen. Partitur III

(Zitiert nach Pipers Enzyklopädie des Musiktheaters)


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